Abschied nehmen…

Abschied nehmen ist immer schwer. Vor allem wenn es ein Abschied für immer ist.

Meine Schwiegerfamilie und ich mussten uns in den letzten Tagen gleich zweimal verabschieden. Beide Großmütter haben ihre Augen geschlossen und sind sanft zum ewigen Leben erwacht.

Die Zeit war gekommen und trotz dem ein so langes Leben erfüllt und vorhersehbar zu Ende ging, ist es doch immer zu früh und wenig fassbar. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden und den Schmerz kann ich nicht abnehmen. Aber ich möchte vor allem meine Schwiegereltern und ihre Geschwister wissen lassen, dass ich mit euch fühle und an euch denke!

Ich bin von euch gegangen nur für einen kurzen Augenblick und gar nicht weit. Wenn ihr dahin kommt, wohin ich gegangen bin, werdet ihr euch fragen, warum ihr geweint habt (Laotse)

Wir haben die Seelen beider zum Strand eingeladen um ihnen eine gute Reise zu wünschen. Es war traurig aber doch so stimmungsvoll und schön:
Zu uns an den Strand gesellte sich eine Möwe und lauschte unseren Worten, und vor uns, auf dem Ozean, tanzten die Wale in den Wellen.

 

Ich habe erfahren, dass die Oma bis zuletzt eine begeisterte Leserin meines Blogs war… Daher möchte ich Dir mit diesem Eintrag gedenken.

Auch mir wirst Du fehlen!

Die Oma aus dem Land der aufgehenden Sonne konnte ich leider nicht mehr kennen lernen. Aber zu unserer kleinen Zeremonie ist sie erschienen: kurz bevor die Sonne ins Meer versank verformte sie sich zu einem japanischen Tempel!

Deine Zeit auf Erden ist ausgeklungen. Nun beginnt die Ewigkeit!

Ihr, die ihr mich geliebt habt, sehet nicht auf das Leben, das ich beendet habe, sondern auf das, welches ich beginne. (A. Augustinus)

 

Da steht ihr nun, wollt mich betrauern
ihr glaubt, dass ich gegangen bin:
ihr mögt vielleicht zunächst erschauern –
doch schaut einmal genauer hin.

Ich bin nicht hier – wie ihr vermutet,
mein Körper mag’s gewesen sein,
er ist jetzt rein und lichtdurchflutet,
ich bin schon lang nicht mehr allein.

Hört das Rauschen der Blätter im Wind!
Es sind überaus viele – sicherlich –
doch achtet drauf wie schön sie sind
und eins der Blätter – das bin ich.

Seht die Wolken am Himmel ziehen,
schaut ihnen zu und denkt an mich,
das Leben war doch nur geliehen,
und eine Wolke – das bin ich.

Die Schmetterlinge auf der Wiese,
perfekt erschaffen – meisterlich,
ich bin beschwingt genau wie diese,
und einer davon – das bin ich.

Die Wellen, die vom Bach getragen,
erinnern sie vielleicht an mich?
Ihr müsst nicht lange danach fragen:
denn eine Welle – das bin ich!

Blumen erblüh’n in all ihrer Pracht,
die Rose – selbst der Wegerich,
sie sind ausnahmslos für euch gemacht
und eine Blume – das bin ich.

Ich möchte nicht, dass ihr jetzt trauert,
für mich wär dies ganz fürchterlich.
Tut Dinge, die ihr nie bedauert:
Denn Eure Freude – das bin ich!

Heinz Rickal

6 Antworten auf „Abschied nehmen…“

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