Klo-Geschichten. Ja, ich meine Toiletten!

Manche Sammeln Münzen, manche Briefmarken und ich eben Klogeschichten.

So war ich schon als kleines Kind unglaublich Stolz wenn mein Geschäft besonders groß oder in einer einzigartigen Form gelungen war. Meine Mami begeisterte sich sehr an meinen Schöpfungen – zumindest erweckte es in mir den Eindruck wenn ich sie täglich, mit vor Stolz beblähter Brust zu meinen Kunstwerken führte. Heute findet sich niemand mehr der sich an meinen Kreationen erfreut – tja, das Leben ist eben kein Ponyhof.

Aber kommen wir doch zu den unerquicklichen Erlebnissen die man so auf einem Häusl erleiden kann.

Wer Schlüsselgeschichten gelesen hat weiß um mein traumatisches Erlebnis als ich als Fünfjährige, ganz erwachsen und auch mit dem Recht auf ein wenig Privatsphäre, die Badezimmertüre von INNEN zusperrte und erst nach Stunden gerettet werden konnte.

Nachts suche ich daher ab heute den Garten auf um Wasser zu lassen

Das war mir definitv eine Lehre und ich bevorzugte ab nun den Garten als Toilette. Allerdings nur Nachts. Tagsüber sperrte ich einfach nur nicht mehr die Türe ab.

So auch nicht als ich, immer noch fünf Jahre alt, bei der Omi bin und mal aufs Klo muss. Sitze friedlich am stillen Ort, befehle Wasser – marsch und schon geht’s los. In der Zwischenzeit muss auch die Tante pinkeln. Sie reisst die nicht verschlossene Tür auf und vorbei ists mit der Idylle. Denn als sie mich mit der runtergelassenen Hose sieht stößt sie einen spitzen Schrei aus und herrscht mich an:

„Warum sperrst du denn nicht ab?!?!?!“

Falle vor lauter Schreck rückwärts ins Klo. Die Tante, offensichtlich immer noch sehr verstört ob des Anblicks eines Kindes auf der Toilette knallt die Tür zu. Von außen. Hänge nun in der Schüssel, Beine gegen Himmel gestreckt wie ein Käfer. Zappele und versuche mich zu befreien. Gelingt nicht. Zappele noch mehr und versuche mich aus der Schüssel zu quälen. Gelingt nicht. So ergebe ich mich meinem Schicksal und quäke nach der Omi um Hilfe.

Nachts suche ich ab heute den Garten auf um Wasser zu lassen. Und Tagsüber nun auch.

Das war mir eine Lehre. Und so ging ich nun auch tagsüber in die Büsche – da kann man keinen Fehler machen. Es gibt nämlich keine Türen.

Später dann, während der Schulzeit ist das in die Büsche strullern von den prüden Lehrern nicht gerne gesehen. Übe mich daher im Vertrauensaufbau indem ich den Donnerbalken nutze um Hausaufgaben abzuschreiben. Übung gelingt. Habe gute Noten auf meine Hausaufgaben und auch beim aufs Klo gehen bin ich in zufriedener Stimmung.

Werde wieder nachlässig, unachtsam…bin Erwachsen und in der Türkei. Muss mal. Suche Klo. Will mich nicht setzen. Stelle mich über Klomuschel und lasse laufen. Habe den Eindruck, dass es doch recht hell sei in meiner Kabine. Eindruck täuscht nicht. Tür steht offen.

Die Tür steht sperrangelweit offen! Dabei hab ich sie doch zugemacht!!!

„Ich hab sie doch zu…“ murmele ich und nicke dem vorbeigehenden Mann freundlich zu. Unisex-Klo. Auch das noch. Schäme mich sicherheitshalber eine Runde. Versuche Türe zu schließen. Erreiche Türe nicht. Versuche Blase zu einem kurzem Stopp zu ermuntern. Sie lässt sich nicht überreden. Hüpfe dennoch gekonnt nach vorne, gebe der Tür einen Stesser (österreichisch für Stoß), also gebe ihr einen Stesser und hüpfe zurück über die Schüssel. Kaum ein Tropfen ging daneben bemerke ich stolz bevor das sich schämen in Runde zwei geht. Denn Tür knallt zu, Tusch, und durch die Wucht auch gleich wieder auf, Tusch. Durch den Lärm werden mehr Zaungäste angelockt um zu schauen was denn da so vorgeht. Die Kabine ist mittlerweile zur Sauna geworden – schwitze aus allen Poren und mein Gesicht glüht rot wie ein Pavian-Arsch. Fahre nicht mehr in die Türkei auf Urlaub…

Rechts Herren-, links Damentoilette. Oder doch umgekehrt?

Nicht ganz so blamabel ist der Umstand in den ich mich in einem schicken Restaurant bringe indem ich Herren- und Damentoilette verwechsele. Bemerke es erst als ich, eingesperrt in der Kabine Wasser lasse. Kann es nicht glauben als ich Männerstimmen vernehme. Schäme mich. Will nicht raus. Will warten bis keiner draußen ist – ein Zustand der erst nach zwölfeinhalb Minuten erreicht wird…

Aber das ist alles noch gar nichts. Der Höhepunkt an Erniedrigung wiederfährt mir während eines Praktikums:

Mein schlimmstes Erlebnis. Nie werde ich jemandem davon erzählen!

Muss aufs Klo. Möchte dort ein Ei legen. Mach das nicht gerne, aber was sein muss, muss eben sein. Nachdem ich Ballast abgeworfen habe drücke ich auf die Spültaste. Wasser kommt. Es kommt in großen Mengen – aber es fließt nicht ab. Hilfe! Raufe meine Haare und beschwöre das Rohr meine Hinterlassenschaft aufzunehmen. Werde ignoriert. Kurz bevor das Wasser den Klorand erreicht kommt es zum Stillstand. Ich atme auf. Das Wasser fließt ab. Motiviert drücke ich erneut die Toilettenspülung. Raufe mir abermals die Haare – aber auch diesmal hat das Rohr kein Einsehen und verschließt sich. Hilfe! Möchte flüchten. Es ist das einzige Klo, ich der einzige Praktikant – kann WC nicht in diesem Zustand zurücklassen! Raufe mir nochmals die Haare.

„Was soll ich tun“ flüstere ich verzweifelt. „Rausgehen und beichten, dass ich das Klo mit meiner Kacke verstopft habe?“ Nein, nein, nein! Diese Schmach ertrage ich nicht!

Greife in meinen Labormantel. Finde Handschuhe.

„Soll ich wirklich….?“ murmele ich, „Scheiße…!“

Erkenne die Doppeldeutigkeit und muss hysterisch lachen. Dann streife ich kurzerhand die Handschuhe über und – greife ins Klo.

„Aaaaaaaaaarggggggh…“ ekele ich mich. Schaue wild um mich wo ich diesen Scheißdreck entsorgen kann. Kein Mülleimer.

„Scheiße!“ zische ich und schwitze. Mülleimer befindet sich VOR Kabine neben dem Waschbecken.

„Kann. man. denn. noch. tiefer. sinken.!!!!!“ fauche ich und möchte sterben. Bitte JETZT.

Öffne mit Ellbogen die Türe. Erröte. Transpiriere.  Laufe zum Mistkübel.

„Bitte lieber Gott steh mir bei! Bitte mach, dass keiner reinkommt und mir dabei zusieht wie ich meine Exkremente im Mülleimer verstaue!“ flehe ich. Schaffe es unbemerkt das Häufchen zu versenken und dem Himmel sei Dank: es gibt einen Duftspray! Tannenduft. Sprühe Inhalt in den Mistkübel. Es riecht als hätte jemand auf den Christbaum geschissen.

Gehe zurück zur Arbeit. Nehme eine Kotprobe und untersuche sie auf Würmer. Bin Tierärztin. Mache Praktikum auf der Parasitologie.

 

 

3 Antworten auf „Klo-Geschichten. Ja, ich meine Toiletten!“

  1. Scheiß dir nichts, dann fehlt dir nichts. 😉

    Irgendwo im Internet gibt es ein Forum, in welchem nur über Klogeschichten diskutiert wird.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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